Die Warriors von Masvingo
Mit einer chronischen Krankheit aufzuwachsen, bringt viele Herausforderungen mit sich. Im Camp Mukundi in Simbabwe sind deshalb 60 Kinder und Jugendliche zusammengekommen, um sich mit ihren Erkrankungen auseinanderzusetzen. Dabei ging es um weit mehr als medizinisches Wissen.
Kinder in orange T-Shirts springen über den Rasen des Alfred Walter Hostels in Masvingo. Im Schatten eines Baumes wird diskutiert, auf einem Tischtennisschläger trocknet frische Farbe, daneben posieren Jugendliche mit Medaillen für ein Erinnerungsfoto. Auf den ersten Blick wirkt alles wie ein gewöhnliches Ferienlager. Doch die 60 Teilnehmenden verbindet mehr als eine gemeinsame Woche im Camp.
Die Jugendlichen leben mit Typ-1-Diabetes, Sichelzellkrankheit oder angeborenen beziehungsweise rheumatischen Herzkrankheiten. Medikamente, Arztbesuche und die Verantwortung für die eigene Gesundheit gehören für sie zum Alltag. Deshalb werden sie hier Warriors genannt. Der Name des Camps greift diese Idee auf: Mukundi bedeutet auf Shona Sieger, Champion oder Kämpfer. Gemeint ist damit nicht der Kampf gegen eine einzelne Krankheit, sondern der tägliche Umgang mit den Herausforderungen, die sie mit sich bringt.
Den Alltag meistern
Vom 17. bis 21. August kamen die Warriors in der Provinz Masvingo zusammen. Organisiert wurde das Camp vom simbabwischen Gesundheitsministerium gemeinsam mit SolidarMed und weiteren Partnerorganisationen.
Im Zentrum stand die Frage, wie junge Menschen mit chronischen Krankheiten ihren Alltag selbstbestimmt gestalten können. Die Teilnehmenden lernten deshalb nicht nur die Grundlagen ihrer Erkrankungen kennen, sondern auch ganz praktische Fähigkeiten für den Alltag: Wie passe ich meine Insulindosis an? Woran erkenne ich Warnzeichen? Was muss ich nach einer Herzoperation beachten?
Neben medizinischem Wissen standen auch Themen im Mittelpunkt, die den Alltag mit einer chronischen Krankheit prägen. Die Jugendlichen diskutierten über Ernährung, mentale Gesundheit, Stigmatisierung und den Übergang ins Erwachsenenleben. Dabei wurden sie ermutigt, eigene Erfahrungen einzubringen, Fragen zu stellen und voneinander zu lernen.
Für sich selbst einstehen
Ein weiterer Schwerpunkt lag darauf, die Warriors in ihrer Eigenständigkeit zu stärken. In Advocacy-Workshops setzten sie sich mit ihren Bedürfnissen und Herausforderungen auseinander. Sie diskutierten, welche Veränderungen sie sich wünschen und wie sie sich für ihre Anliegen einsetzen können.
Die Jugendlichen wurden ermutigt, Verantwortung für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen und ihre Stimme einzubringen. Denn wer seine Krankheit versteht, kann selbstbewusster Entscheidungen treffen und den eigenen Lebensweg aktiv mitgestalten.
Warrior sein
Neben den Workshops blieb auch Zeit für Sport, Kunst und gemeinsame Erlebnisse. Bei Team-Challenges, etwa beim Bau eines Jenga-Turms, waren Geschicklichkeit und Teamarbeit gefragt. Beim Hallensporttag standen Spiel und Bewegung im Vordergrund, während die Jugendlichen in der Kunsttherapie Raum fanden, sich kreativ auszudrücken. Die gemeinsamen Aktivitäten schufen Raum für Begegnungen und halfen den Jugendlichen, sich über ihre Diagnosen hinaus kennenzulernen.
Nach fünf Tagen endete das Camp. Die Warriors kehrten mit neuem Wissen über ihre Erkrankungen und der Erfahrung nach Hause zurück, Teil einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten zu sein.






