Jubiläumsfest: Eine Zeitreise zwischen Herkunft und Zukunft
Am 30. Mai 2026 setzte das Jubiläumsfest in der Viscose Eventhalle in Emmenbrücke (LU) einen besonderen Auftakt im Jubiläumsjahr von SolidarMed. Unter dem Leitmotiv «Internationale Zusammenarbeit für Gesundheit: gestern, heute, morgen» richteten wir gemeinsam mit Partner:innen, Mitarbeitenden, Ehemaligen und Unterstützenden unseren Blick sowohl zurück als auch nach vorne.
Mit persönlichen Worten eröffnete Eliane Kiener den Abend. Die Geschäftsleiterin betonte, dass im Zentrum der Feier nicht Projekte oder Zahlen stehen, sondern die Menschen, die die Organisation geprägt haben. «Wir feiern heute nicht einfach eine Institution. Wir feiern Menschen und eine geteilte Vision.»

Wir feiern heute nicht einfach eine Institution. Wir feiern Menschen und eine geteilte Vision.
Eliane Kiener, Geschäftsleiterin
Sie unterstrich ihre Aussage mit dem Blick auf zwei Pionierinnen, Maria Kunz und Bertha Hardegger, die exemplarisch dafür stehen, was SolidarMed bis heute prägt: Mut, Nähe und die Bereitschaft, dort zu handeln, wo Hilfe gebraucht wird.
Ein Buch voller Geschichten, die bewegen
Die darauffolgende Buchvernissage zeichnete einen ersten Höhepunkt des Abends und machte deutlich, dass eines die Organisation seit jeher prägt: Wandel. Von einem katholisch geprägten Verein für missionsärztliche Fürsorge, die Ärztinnen und Ärzte in entlegene Regionen Afrikas entsandte, hat sich SolidarMed zu einer modernen Non Profit Organisation entwickelt, die heute gemeinsam mit lokalen Teams Gesundheitssysteme stärkt und langfristige Partnerschaften auf Augenhöhe lebt.
Das Buch selbst lädt dazu ein, SolidarMed aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken – von vorne nach hinten gelesen oder im freien Blättern. Besondere Aufmerksamkeit erhält der mehrdimensionale Zeitstrahl im Zentrum, der die Entwicklung der Organisation in ihren verschiedenen Kontexten sichtbar macht. Zahlreiche Fotografien und biografische Porträts erzählen von Menschen, die mit Mut und Überzeugung neue Wege gingen zur Verbesserung der Gesundheit.

Allein der Wille, dieses Buch zu realisieren, zeigt eine gewisse Kritikfähigkeit.
Marcel Dreier, Historiker und Buchautor
Im Gespräch wurde auch die Frage nach einem kritischen Blick aufgegriffen. Der Historiker und Mitautor des Buches Marcel Dreier betonte, dass bewusst Vertrauen in die unabhängige Aufarbeitung gelegt wurde und auch schwierige Kapitel ihren Platz finden. «Allein der Wille, dieses Buch zu realisieren, zeigt eine gewisse Kritikfähigkeit», ergänzte er. Gleichzeitig formulierte er für SolidarMed den Wunsch, auch künftig den Mut zu haben, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.

Der Dialog auf Augenhöhe ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft.
Thomas Gass, ehemaliger SolidarMed-Mitarbeitender und Entwicklungsexperte
Persönliche Erinnerungen machen die Geschichte besonders greifbar: So schilderte Renate Albrecht ihre Zeit in Simbabwe während der HIV-Epidemie – geprägt von grossen Herausforderungen, fehlenden Therapien und zugleich vom Aufbau enger Beziehungen vor Ort. Auch Thomas Gass erinnerte sich an seine Anfänge als «Greenhorn» in Tansania und an eine steile Lernkurve in einer prägenden Phase der HIV-Bekämpfung als Antiretrovirale Medikamente verfügbar wurden. Für ihn ist klar: «Der Dialog auf Augenhöhe ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft.»
Blick nach vorne: Globale Gesundheit im Wandel
Mit den Vorträgen internationaler Expert:innen verlagerte sich der Fokus auf die Gegenwart und die Zukunft der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Themen wie nachhaltige Gesundheitssysteme, Forschung und globale Zusammenarbeit standen im Zentrum. Francisco Songane, Arzt und ehemaliger Gesundheitsminister von Mosambik, betonte in seiner Rede: «Gesundheit ist ein fundamentales Menschenrecht.» Gleichzeitig machte er deutlich, dass nachhaltige Fortschritte nur durch stärkere Eigenverantwortung der Länder, integrierte Gesundheitssysteme und partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe möglich sind.
Charles Abongomera, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut, schlug die Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis. Anhand seiner Forschung zur Sichelzellkrankheit machte er deutlich, wie evidenzbasierte Ansätze Versorgungslücken gezielt schliessen und den Alltag von Betroffenen konkret verbessern können.
Den Abschluss machte Kate Molesworth mit einem Blick auf die grossen Herausforderungen der Zukunft: von Finanzierungslücken und Klimawandel über den epidemiologischen Wandel bis hin zu fragilen Kontexten. Gleichzeitig betonte sie die Chancen, durch stärkere lokale Systeme, gemeinschaftsgetragene Lösungen und neue Formen der Zusammenarbeit.
Ein Abend, der verbindet
Nach den inhaltlichen Inputs bot der Abend schliesslich Raum für offene Fragen, die von Präsident Niklaus Labhardt aufgenommen und beantwortet wurden. Den festlichen Abschluss bildete die musikalische Unterhaltung der Band «Siselabonga» sowie das gemeinsame Beisammensein, das zum weiteren Austausch und Diskutieren einlud. Der Anlass war geprägt von einer besonderen Energie, brachte Gleichgesinnte zusammen und wird über diesen Moment hinauswirken. Wir danken allen, die unser Jubiläumsfest besucht haben.
Nicht zuletzt weckte der Abend die Vorfreude auf den bevorstehenden Dokumentarfilm, der – ausgehend von den historischen Zeitzeug:innen – die 100-jährige Geschichte von SolidarMed nachzeichnen wird. Die Premiere ist am 26. September in Luzern geplant, anschliessend folgt eine Roadshow in mehreren Schweizer Städten und in Liechtenstein.

Dokumentarfilm auf Tour
Wir laden Sie herzlich ein, die 100-jährige Geschichte von SolidarMed in einem Dokumentarfilm von Beat Bieri, unter Mitwirkung von Cristina Karrer, zu entdecken. Der Film zeichnet die Entwicklung der Organisation nach – getragen von Menschen, Austausch und gelebter Solidarität in der Zusammenarbeit mit Partnern in Afrika.





































