Sichere Betreuung für Patient:innen
Im Provinzspital Kabwe kommt fast täglich ein Kind zur Welt. Doch nicht jede Geburt verläuft nach Plan. Wenn Komplikationen auftreten, zählen Erfahrung, schnelle Entscheidungen und eingespielte Teams. SolidarMed investiert in dezentrale Gesundheitsausbildung. Wie dies einen Unterschied macht, zeigt die Geschichte einer Pflegestudentin und eines Babys namens «Segen».
Ein Babyschrei hallt durch die Geburtsstation des Spitals in Kabwe. Für einen Moment davor schien die Zeit stillzustehen: Nach langen Wehen musste die werdende Mutter notfallmässig per Kaiserschnitt entbunden werden. Die Pflegestudentin Eppiey Mukuka erkannte die Gefahrenzeichen früh. Als Teil eines multidisziplinären Teams wusste sie genau, was zu tun war. So konnte die Patientin rasch und kompetent auf die Operation vorbereitet werden. Nun macht sich Erleichterung breit: Mutter und Kind sind wohlauf. Für Eppiey Mukuka ist es ein besonderer Moment. Sie hat zum ersten Mal eine verzögerte Geburt begleitet.

Als ich auf der Geburtsstation war, hatte ich das Vertrauen, dass ich es schaffen kann.
Eppiey Mukuka, Pflegestudentin

«Nach der theoretischen Ausbildung hätte ich einzelne Schritte noch vergessen», erzählt Eppiey Mukuka, Studentin an der Chitambo-Fachschule für Pflegefachpersonen. Den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolviert sie nun im Kabwe-Spital. «Im Skills Lab konnten wir die Abläufe immer wieder üben und wurden von verschiedenen Ausbildenden begleitet. Als ich dann auf der Geburtsstation war, hatte ich das Vertrauen, dass ich es schaffen kann.»
Diese Sicherheit ist in brenzligen Situationen entscheidend. Gerade in ländlichen Regionen Sambias fehlt es an qualifiziertem Gesundheitspersonal. Traditionelle Ausbildungsmodelle konzentrieren sich häufig auf urbane Zentren. Provinzspitäler und Gesundheitszentren ausserhalb der Städte kämpfen dagegen mit Personalmangel. Um diesem Problem entgegenzuwirken, fördert SolidarMed eine dezentrale und praxisnahe Ausbildung von Pflegefachpersonen, Hebammen und Ärzt:innen. Ende 2025 waren bereits 7’000 Pflegestudierende an zehn Ausbildungsstandorten – je einer pro Provinz – eingeschrieben. Über 1'000 Absolvent:innen haben ihre Ausbildung 2025 erfolgreich abgeschlossen.
Als Lulia Bwalya zur Geburt ihres ersten Kindes ins Spital kam, war sie voller Sorgen. Viele Geschichten über schlechte Erfahrungen in Gesundheitseinrichtungen hatten sie verunsichert. Hinzu kam die Angst vor dem Eingriff: Die Geburt musste schliesslich per Kaiserschnitt erfolgen. «Ich dachte, ich würde auf unfreundliches Personal treffen», erinnert sie sich. «Aber ich wurde Schritt für Schritt begleitet. Alles wurde erklärt. Die Pflegefachpersonen haben sich Zeit genommen und sich gut um mich gekümmert. Eppiey Mukuka war freundlich, hörte mir zu und kümmerte sich um mich und mein Baby», erzählt Lulia Bwalya. «Wenn ich mich einsam fühlte, hat ihre Art mir Kraft gegeben.
Lernen, bevor es ernst wird
Im Kabwe-Spital hat SolidarMed eines von vier Kompetenzzentren für Berufsbildung aufgebaut: Vocational Centres of Excellence. Die modernen Ausbildungszentren verfügen über Hörsäle, Skills Labs und digitale Lernräume. Hier treffen sich Studierende, Pflegefachpersonen, Hebammen und Ärzt:innen, um gemeinsam Verfahren zu üben, Wissen aufzufrischen und voneinander zu lernen. Dieses multidisziplinäre Mentoring stärkt die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Berufsgruppen und verbessert die Qualität der Versorgung im gesamten Spital.
Der entscheidende Vorteil für die Studierenden: Sie können klinische Situationen realitätsnah simulieren, bevor sie am Patient:innenbett stattfinden. «Früher mussten wir vieles direkt an Patient:innen zum ersten Mal durchführen», sagt Eppiey Mukuka. «Heute üben wir zuerst an den Modellen im Skills Lab. Dort dürfen wir Fehler machen, werden korrigiert und lernen die neuesten Verfahren kennen. Danach gehen wir auf die Station.» Auch Dr. Casius Chitambo, Arzt am Kabwe-Spital, beobachtet die Auswirkungen dieser Ausbildung täglich. «Wer eine schwangere Frau mit Krampfanfällen oder schweren Blutungen zum ersten Mal erlebt, kann in Panik geraten», sagt Dr. Chitambo. «Wer solche Situationen bereits trainiert hat, reagiert ruhiger und strukturierter. Das wirkt sich auf die Sicherheit der Patient:innen aus.»

Wenn Ausbildung Familien erreicht
Für Dr. George Chipulu, Chefarzt des Kabwe-Spitals, ist das Vocational Centre of Excellence weit mehr als ein Ausbildungsgebäude. «Früher mussten wir viele Verfahren wie das Legen von Kathetern direkt an Patient:innen demonstrieren. Dabei konnten Fehler passieren», sagt er. «Heute können die Studierenden zuerst an hochrealistischen Puppen üben. So kommen sie mit besseren Fähigkeiten auf die Stationen.» Die Investitionen beschränken sich dabei nicht auf Gebäude. Digitale Infrastruktur und E-Learning-Angebote, entwickelt mit lokalen Partnern, ermöglichen auch in abgelegenen Regionen Zugang zu aktuellem Fachwissen und kontinuierlicher Weiterbildung. Dieses Wissen kam der Familie Bwalya zugute. Chola Bwalya, der Vater des Babys, erklärt:
«Es ist unser erstes Kind. Ich hatte grosse Angst. Als ich hörte, dass meine Frau und das Baby gesund sind, war ich überwältigt vor Freude.» Das Baby trägt den Namen Lipalo – auf Deutsch: Segen. «Nach zwei Jahren des Wartens auf eine Schwangerschaft beschlossen wir, unser Kind Lipalo zu nennen, denn schon vor der Geburt des Babys wurden wir immer wieder mit Segen überschüttet, wie zum Beispiel mit einer neuen Stelle, nachdem ich meinen Job verloren hatte.»

Als ich hörte, dass meine Frau und das Baby gesund sind, war ich überwältigt vor Freude.
Chola Bwalya, Vater vom neugeborenen Lipalo
Nach der erfolgreichen Geburt von Lipalo möchte Eppiey Mukuka weiter mit schwangeren Frauen arbeiten. Am liebsten in ländlichen Regionen, wo qualifizierte Fachkräfte besonders dringend gebraucht werden.

Wohnheime für ein sicheres Lernen
Ein wichtiger Bestandteil des dezentralen Ausbildungsmodells in Kabwe sind die neu geschaffenen Studierendenunterkünfte just 700 Meter vom Provinzspital entfernt, die Platz für hundert Student:innen bieten. SolidarMed und seine Partner investierten nicht nur in moderne Lern- und Simulationszentren, sondern auch in sichere Unterkünfte in unmittelbarer Nähe der Ausbildungsstandorte. Die landesweit sechs Hostels, die dieses Jahr auf neun erweitert werden, ermöglichen es Studierenden, theoretischen Unterricht, praktische Einsätze und Lernzeiten zuverlässig wahrzunehmen. Kurze Wege erhöhen die Sicherheit der überwiegend weiblichen Studentenschaft und reduzieren Zeit und Kosten für den täglichen Arbeitsweg.

