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Ein von SolidarMed geleitetes Konsortium erhält DEZA-Ausschreibung zur Bekämpfung nicht-übertragbarer Krankheiten in Afrika

07.01.2021

Nicht-übertragbare Krankheiten, wie die Zuckerkrankheit oder Bluthochdruck, aber auch psychische Erkrankungen, gehören heute zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Über 75% dieser vermeidbaren Todesfälle treten in Entwicklungsländern auf. Ein Konsortium, geleitet von SolidarMed, wird dieses Problem in einem kombinierten Forschungs- und Umsetzungsprogramm in Lesotho aktiv angehen. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) wird dieses Programm im Rahmen eines Mandats in den nächsten fünf Jahren mit 6 Mio. CHF unterstützen.

Eine Gruppe Laien-Gesundheitshelfer/-innen auf dem Weg in abgelegene Dörfer in Lesotho. Alain Amstutz

Weniger Menschen erkranken im südlichen Afrika an HIV, gleichzeitig erfolgt Anstieg der nicht-übertragbaren Erkrankungen

Die Zahl der Menschen mit nicht-übertragbaren Erkrankungen wie Bluthochdruck, der Zuckerkrankheit aber auch psychischen Leiden steigt auch im südlichen Afrika stark an. Demgegenüber sinkt die Häufigkeit von Infektionskrankheiten wie HIV. Auch dem von der HIV-Epidemie stark betroffenen Land Lesotho ist es in den letzten fünf Jahren gelungen, die Übertragung des HI-Virus und die AIDS-Todesfälle mit einer Test- und Behandlungsstrategie stark zu senken. Ein wesentliches Element ist dabei die aktive Beteiligung von Laien-Gesundheitshelfer/-innen in den Dorfgemeinden. Sie testen und behandeln HIV-Patientinnen und Patienten auch in abgelegenen Gebieten weit entfernt vom nächsten Gesundheitszentrum oder Spital. Dieser erfolgreiche Behandlungsansatz soll nun im Rahmen eines von der DEZA geförderten Programmes ebenfalls bei der Behandlung nicht-übertragbarer Krankheiten angewendet werden.

ComBaCaL (Community Based chronic disease Care Lesotho) ist ein medizinisches Umsetzungs- und Forschungsprogramm, das von einem Konsortium unter der Leitung der Schweizer NGO SolidarMed zusammen mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH), der Nationalen Universität und dem Gesundheitsministerium von Lesotho sowie weiterer Beteiligter in Lesotho entwickelt wurde. Die Universität Zürich (Fachbereich Informatik) und ein eHealth-Start-up aus Lesotho sind weiter an der Umsetzung beteiligt.

Dorf im ländlichen Lesotho. Alain Amstutz

eHealth und Forschung bei der Behandlung nicht-übertragbarer Krankheiten

Chronische Krankheiten, wie Bluthochdruck oder die Zuckerkrankheit, erfordern genauso wie eine Infektion mit HIV eine lebenslange, medizinische Behandlung. ComBaCaL verwendet die Erkenntnisse des erfolgreichen HIV-Programms in Lesotho. Auf der einen Seite wird durch gezielte Schulung des Gesundheitspersonals an 23 Spitälern und Gesundheitszentren die Behandlungsqualität nicht-übertragbarer Krankheiten verbessert. Auf der anderen Seite werden Laien-Gesundheitshelfer/-innen in den Dorfgemeinschaften auf die Vorbeugung und Erkennung von nicht-übertragbaren Krankheiten geschult. Einfache und effektive Behandlungen werden sie direkt vor Ort anbieten können, ohne dass der Patient ein Gesundheitszentrum aufsuchen muss. Eine Smartphone-gestützte eHealth-App, die im Rahmen des Projekts an der Universität Lesotho entwickelt wird, unterstützt die Laien-Gesundheitshelfer/-innen bei ihren Aufgaben. Gleichzeitig können sie damit Patienten- und Behandlungsdaten aufzeichnen.

«Wir wollen mit ComBaCaL die starke, weltweite Verbreitung von nicht-übertragbaren Krankheiten begrenzen», sagt Niklaus Labhardt, Forschungsgruppenleiter am Swiss TPH und Präsident von SolidarMed. «Dabei ist die Süd-Nord Partnerschaft im Sinn von Ziel Nr. 17 für eine nachhaltige Entwicklung der UNO ein zentrales Element.»

Labhardts Forschungsgruppe hat in Lesotho zusammen mit SolidarMed in den letzten vier Jahren innovative Test- und Behandlungsansätze für HIV erfolgreich wissenschaftlich geprüft und umgesetzt (mehr Informationen dazu hier). Nach ähnlicher Vorgehensweise werden Behandlungsansatz und dessen Wirksamkeit bei nicht-übertragbaren Krankheiten wissenschaftlich mit einer cluster-randomisierten Studie evaluiert werden. «Wir prüfen, ob der Einsatz von Laien-Gesundheitshelfer/-innen unterstützt durch die eHealth-App die medizinische Versorgung von Personen mit nicht-übertragbaren Krankheiten auch in sehr abgelegenen Gebieten verbessern kann», sagt Alain Amstutz, Mediziner und Mitglied der Forschungsgruppe.

Programm zur Verbesserung der Gesundheit mit sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen

Der Gesundheitszustand von Menschen ist eng mit Armut und sozialen Faktoren verbunden. Die schnelle Zunahme von chronischen, nicht-übertragbaren Krankheiten behindert damit auch die Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern. ComBaCaL will medizinisch unterversorgten Menschen in abgelegenen Regionen Lesothos nicht nur eine hochwertige medizinische Behandlung bringen. Das Programm beabsichtigt auch die Förderung der meist weiblichen Gesundheitshelferinnen. Teil des Konzepts ist die Gründung eines sozialen Unternehmens, in dem die Frauen unternehmerische Fähigkeiten erwerben und beispielsweise ihren Lebensunterhalt durch den Handel von Waren verdienen können. Das Projekt trägt damit auch der Chancengleichheit bei und beabsichtigt einen ganzheitlichen Strukturwandel.

«ComBaCaL könnte die Versorgung von nicht-übertragbaren Krankheiten in Entwicklungsländern auf eine innovative, nachhaltige und selbsttragende Art und Weise revolutionieren», hofft Ilse van Roy, Leiterin Programme bei SolidarMed.

Die Austragungsorte des ComBaCaL-Programms sind auf dieser Karte ersichtlich. 

Bedeutung über Lesotho hinaus

Das auf fünf Jahre angelegte Programm wird in zwei geografisch abgelegenen Distrikten in Lesotho starten. Erst fokussiert es auf Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck oder einer Zuckererkrankung. Später werden auch psychische Leiden integriert. Mehr als 200’000 Menschen können mit verbesserten Präventionsmassnahmen, Vorsorgeuntersuchungen, Diagnosen und Behandlungen von nicht-übertragbaren Krankheiten versorgt werden. Mindestens hundert lokale Gesundheitshelfer/-innen und ihre Familien werden durch das Sozialunternehmen des Programmes begünstigt und erhalten auf diese Weise Unterstützung sich selbst zu versorgen. Sechs Nachwuchswissenschaftler/-innen aus Afrika (die Hälfte weiblich) erhalten die Möglichkeit, sich in ein Master- oder PhD-Programm einzuschreiben. Mehr als sechzig praktizierende Ärzte/-innen werden durch Weiterbildungen gefördert. ComBaCaL generiert durch die integrierte Forschungskomponente wissenschaftlich-validierte Erkenntnisse zur Behandlung nicht-übertragbarer Krankheiten. Damit leistet es einen Beitrag zur Strategie der Erkennung und Behandlung nicht-übertragbarer Krankheiten weltweit.

Link zur vollständigen Medienmitteilung.