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Erfolgreicher Einsatz von HIV-Selbsttests im ländlichen Lesotho

22.10.2020

Niklaus Labhardt, Präsident von SolidarMed, hat zusammen mit seinem Team am Swiss Tropical and Public Health Institute und Mitarbeiter/innen von SolidarMed eine Strategie entwickelt, mit welcher die HIV-Testabdeckung in den abgelegenen Gebieten Lesothos um 20 Prozent erhöht werden konnte. Dabei werden Hausbesuche mit HIV-Selbsttests kombiniert.

"Tür-zu-Tür" HIV-Test-Kampagnen sind eine vielversprechende Lösung zur Bekämpfung der HIV-Epidemie. (Foto: Alain Amstutz)

Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig

2019 waren weltweit rund 38 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Rund zwei Drittel der Betroffenen leben auf dem afrikanischen Kontinent. Trotz der grossen Fortschritte in der Prävention und Therapie stecken sich immer noch jedes Jahr Millionen von Menschen mit dem Virus an. Es kommt auch deshalb zu diesen Neuansteckungen, weil viele Menschen ihren eigenen Status nicht kennen und der Zugang zu antiretroviralen Therapien erschwert ist. Dies ist besonders in abgelegenen Gebieten der Fall, wo der Weg zu Testzentren und Kliniken weit ist. Zur Eindämmung der Epidemie braucht es deshalb innovative Methoden, um allen Betroffenen eine frühzeitige Diagnose zu ermöglichen. Wenn sie frühzeitig die antiretrovirale Therapie erhalten, kann die weitere Übertragung des HI-Virus verhindert werden. SolidarMed Präsident, Niklaus Labhardt, konnte nun zusammen mit seiner Forschungsgruppe und Mitarbeitern von SolidarMed den Erfolg von «Tür-zu-Tür»-Testkampagnen dank HIV-Selbsttests massgeblich verbessern.

Ntate Koloko erklärt einer Dorfbewohnerin wie der HIV-Selbsttest anzuwenden ist. (Foto: Alain Amstutz)

Fallbeispiel Lesotho

In Lesotho ist jeder vierte Erwachsene mit HIV infiziert. Man schätzt, dass ca. 15 Prozent der Infektionen in dem kleinen Bergland an der Südspitze Afrikas unerkannt bleiben und somit zur Weiterverbreitung von HIV beitragen. Für viele Einwohnerinnen und Einwohner Lesothos liegt die nächste Klinik einen mehrstündigen Fussmarsch oder eine teure Taxifahrt entfernt. Um den Zugang zu Gesundheitsdiensten und HIV-Tests zu erleichtern, organisieren Gesundheitszentren regelmässig «Tür-zu-Tür»-Kampagnen. Studien haben jedoch gezeigt, dass sie damit nur ca. 60 Prozent der Dorfbevölkerung erreichen, weil viele einer Tätigkeit ausser Haus nachgehen müssen.

Das Team um Niklaus Labhardt hat nun eine Strategie entwickelt, mit welcher die Testabdeckung um 20 Prozent verbessert werden konnte. Dabei wurden Hausbesuche erstmalig mit HIV-Selbsttests kombiniert. Sollten Dorfbewohner während der Hausbesuche abwesend sein, hinterlässt das Kampagnenteam Selbsttests mit Instruktionsmaterial in lokaler Sprache. Dorfgesundheitsberater, welche in der Anwendung und Auswertung der Selbsttests geschult wurden, sammeln die Selbsttests im Nachgang wieder ein.

Während ein Jugendlicher gespannt auf sein Selbsttest-Resultat wartet, erklärt Mme Mathato noch einmal wie sich ein HIV-positives Resultat auf dem Selbsttest erkennen liesse. (Foto: Alain Amstutz)

Einfacher Ansatz, grosse Wirkung

Die gross angelegte, randomisierte Studie umfasste über 150 Dörfern mit mehr als 7000 Dorfbewohnern. Die Resultate dieses einfachen Ansatzes sprechen für sich: Mit 81 Prozent lag die HIV-Testrate in der gesamten Bevölkerung der Interventionsgruppe um 20 Prozent höher als in der Kontrollgruppe.

Die Zahl der Aids-Todesfälle ist seit 2010 weltweit rückläufig. Gleichzeitig kam es 2019 nach wie vor zu 1,7 Millionen Neuansteckungen, die Hälfte davon in Afrika. «Gerade in den ländlichen Regionen braucht es daher eine Alternative zu den klassischen Gesundheitskampagnen, um eine optimale Testabdeckung zu erreichen. Unsere Strategie ist ein weiterer, wichtiger Baustein auf dem Weg die HIV/Aids-Epidemie im südlichen Afrika zu beenden», so Prof. Dr. Labhardt.

 

Publikation: The Lancet HIV

Publikation: The Journal of the International Aids Society