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Gravierender Fachkräftemangel in Sambias Gesundheitssystem

22.12.2020

Der gravierende Mangel an Gesundheitspersonal in Sambia drängte auf eine Änderung im Ausbildungsprogramm. Im traditionellen Modell ist jede Krankenpflegeschule an ein Lehrkrankenhaus angeschlossen und für die praktische Ausbildung der Studierenden zuständig. 2012 führte SolidarMed erfolgreich ein innovatives Modell ein, das es erlaubt sowohl die Qualität der Ausbildung zu verbessern als auch Quantität der Absolvent/innen zu steigern.

Studierende der Gesundheitspflege im dritten Jahr am St. Lukes College in Mphashya, Sambia. Foto: Gareth Bentley

Personalmangel im Gesundheitswesen

Sambia hat weiterhin eine der am schnellsten wachsenden Bevölkerungen der Welt. Die UN prognostiziert, dass die Bevölkerung bis 2050 von 18 Millionen auf 39 Millionen anwachsen wird. Dieses schnelle Wachstum erhöht die Anforderungen an den Gesundheitssektor erheblich. Trotz beachtlichen Investitionen und Engagements fehlen in Sambia immer noch etwa 40 Prozent des geschätzten Bedarfs an Gesundheitspersonal. Im Jahr 2019 versorgten nur gerade 13 Pflegefachkräfte und Hebammen 10'000 Menschen, verglichen mit 175 in der Schweiz. Die Herausforderung der unzureichenden Anzahl an Pflegepersonal wird durch Ungleichheiten in der geografischen Verteilung noch verstärkt. Im Jahr 2017 befanden sich etwa 90 Prozent des ausgebildeten Gesundheitspersonals in städtischen Gebieten, während mehr als die Hälfte der Bevölkerung in ländlichen Gebieten lebt. Um den Gesundheitsversorgungsbedarf der wachsenden Bevölkerung zu decken, muss das Land die Zahl des Gesundheitspersonals von 26'000 auf 73'000 erhöhen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, sind innovative Modelle gefragt.

Pflegefachschülerin bei der Betreuung einer Patientin unter Aufsicht der klinischen Ausbildnerin im St. Luke's Missionsspital. Foto: Gareth Bentley

Dezentrales Ausbildungsmodell für Pflegefachkräfte

Bereits im Jahr 2012 hat SolidarMed mit einem dezentralen Ausbildungsmodell einen solch neuen Ansatz entwickelt und erfolgreich pilotiert. Hauptziel war es, die Zahl der Studierenden zu erhöhen und gleichzeitig eine Ausbildung in guter Qualität zu gewährleisten. Zudem lag der Fokus auf dem ländlichen Raum, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass das ausgebildete Gesundheitspersonal in ländlich gelegenen Gesundheitseinrichtungen bliebe. Auf diese Weise versuchte SolidarMed das Ungleichgewicht der ländlichen gegenüber der städtischen Verteilung von Gesundheitspersonal und damit zusammenhängend auch der Gesundheitsversorgung anzugehen.

Das alte Modell basiert auf der Zusammenarbeit einer Krankenpflegeschule mit einem Krankenhaus. Alle Studierenden absolvieren also ihre praktische Ausbildung in dem angeschlossenen Krankenhaus. Der Schwerpunkt des dezentralen Krankenpflegemodells liegt auf einer qualitativ hochwertigen theoretischen und dezentralen praktischen Ausbildung. Durch die Erhöhung der Anzahl der praktischen Ausbildungsstätten, die mit der Schule verbunden sind, ist es möglich, mehr Schüler/innen gleichzeitig auszubilden.

Die Schlüsselelemente des Modells sind die Dezentralisierung sowie Erhöhung der Anzahl der Ausbildungsorte, das Mentoring der Krankenpflegestudierenden durch klinischen Unterricht, eine Rotation der Ausbildungsorte, die Zusammenlegung der Kernbestandteile der Curricula für allgemeine Pflege und Hebammen und die Kombination von verschiedenen E-Learning-Methoden.

Errungenschaften

Das Pilotprojekt wurde in Partnerschaft mit dem Gesundheitsministerium und der St. Luke's School of Nursing and Midwifery durchgeführt, an der das Projekt startete. Der Krankenpflege- und Hebammenrat von Sambia (Nursing and Midwifery Council of Zambia, NMCZ) war ebenfalls von Anfang an in das Pilotprojekt und dessen Durchführung involviert.

Das dezentrale Ausbildungsmodell für Pflegepersonal hat sich - gemessen an der Verdoppelung der Zahl der Pflegefachkräfte - als effektiv erwiesen. Bis Ende 2018 haben 469 Pflegefachkräfte ihre Ausbildung innerhalb des neuen Modells abgeschlossen. Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigte, dass 61 Prozent der St. Luke's-Absolventen in einer ländlichen Gesundheitseinrichtung eingesetzt wurden (General Nursing Council of Zambia, 2019).

Der Erfolg des Pilotprojekts wurde vom Gesundheitsministerium und dem NMCZ anerkannt. Sowohl die St. Luke's School of Nursing and Midwifery als auch die dezentralen Partnerkrankenhäuser wurden vom NMCZ akkreditiert und damit anerkannt, dass die Ausbildungs-Qualitätsstandards erfüllt werden. Diese Anerkennung hat das Interesse anderer Ausbildungsinstitutionen an dem Modell verstärkt. Im Jahr 2019 unterstützte SolidarMed zwei weiteren Krankenpflegeschulen bei der Umsetzung des dezentralen Ausbildungsmodells. Diese beiden Krankenpflegeschulen haben bereits mit der Umsetzung begonnen, während einige andere planen, das Modell ohne die Unterstützung von SolidarMed, aber mit Hilfe der entwickelten Leitlinien einzuführen.

Für weitere Informationen lesen Sie gerne den Artikel (auf Englisch) von Amélie Gottier und Beatrice Zulu im aktuellen Medicus Mundi Bulletin:

Medicus Mundi Switzerland Bulletin #156