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Mädchen stärken, Zahl früher Schwangerschaften senken

07.10.2020

Nazaria Baptista ist Expertin für sexuelle Gesundheit. Am Gesundheitszentum in Ncumpe (nördliches Mosambik) spricht sie mit jungen Frauen und Männern über Familienplanung und Verhütungsmittel.

Verhütungsmittel und Familienplanung: Nazaria Baptista scheut den direkten Austausch zu heiklen Themen nicht.

Beratung wird mit viel Empathie und Leidenschaft durchgeführt

Teenager-Mädchen sitzen auf dem Boden des Raums, eingehüllt in bunte Tücher und Kleider. Dahinter stehen einige Männer, die ihre Partnerinnen begleiten. Einer trägt sein Kind in einem Tragetuch auf dem Rücken. An der linken Wand des Raumes lehnen drei ältere Damen: traditionelle Hebammen aus dem Dorf, welche die Frauen und ihre Partner zur Kontrolle ins Gesundheitszentrum begleiten.

Die Aufmerksamkeit im Raum gehört ganz Nazaria Baptista, die von ihrem Pult aus den ganzen Raum überblickt. Ihre energische, überzeugende und empathische Art zieht alle in ihren Bann. Nazaria informiert die Anwesenden zum Thema Familienplanung. Mit grosser Genauigkeit erläutert die 49-Jährige die Anwendung unterschiedlicher Verhütungsmittel: Kondome, Femidome, Dreimonatsspritze oder die Pille. Die Frauen und auch ihre Partner stellen Fragen, die Nazaria Baptista mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen beantwortet. «Diese Beratungstermine sind sehr wichtig», sagt sie danach. «Denn Verhütungsmittel tragen entscheidend dazu bei, dass der Abstand zwischen zwei Schwangerschaften steigt.» Das schütze die Gesundheit der jungen Frauen. Schwangerschaften zu kurz nacheinander erhöhen das Risiko von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen.

Geografische Hindernisse, gesellschaftliche Barrieren und ihre Folgen

Eigentlich gehört zu jeder vorgeburtlichen Kontrolluntersuchung auch ein Gespräch über Verhütung. Doch viele Frauen nehmen diesen Termin erst im siebten Monat kurz vor der Geburt wahr. «Das ist zu spät», so Baptista. Die vier vorgeburtlichen Termine wären wichtig, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. «Und es wäre dann auch mehr Zeit vor der Geburt, um über Familienplanungsfragen zu sprechen».

Doch viele der Frauen müssen kilometerlange Fussmärsche auf sich nehmen, um überhaupt zum Gesundheitszentrum zu gelangen. Insbesondere während der Schwangerschaft ein schwieriges Unterfangen. Umso wichtiger sei die Arbeit von SolidarMed in den Dörfern. «Die Aufklärungsarbeit zu Verhütung und den Risiken einer Teenager-Schwangerschaft muss unbedingt ausgeweitet werden», fordert Nazaria Baptista im Gespräch. Denn die sexuelle Aufklärung in den Schulen komme zu kurz.

Zudem müssten die Mädchen vielerorts in Mosambik nach ihrer ersten Menstruation die Schule verlassen. Oft seien eine Schwangerschaft und Heirat in sehr jungen Jahren die Folge. Nur gelegentlich kämen Eltern mit ihren Töchtern ins Gesundheitszentrum, um Verhütungsmittel zu erhalten. Auch wenn sich Nazaria einen Wandel dieses gesellschaftlichen Phänomens wünscht, bezweifelt sie, dass weitreichende Veränderungen bald stattfinden können.