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Zuckerkrank: Ein Todesurteil im ländlichen Tansania

25.04.2019

Zwei Dosen Insulin täglich und sehr viel Selbstdisziplin erlauben Salvina Kilunda heute ein fast normales Leben. Dank einer genialen Erfindung überlebt sie trotz ihrer Zuckerkrankheit.

Salvina ist heute trotz Diabetes 21 Jahre alt.

Damit Salvina überleben kann, braucht sie Insulin. Dieses muss konstant gekühlt werden.

Ihr findiger Vater hat sich im von SolidarMed unterstützten Lugala-Spital informiert und baute diesen "Kühlschrank", der mit Wasser und Kohle funktioniert.

Diabetes ist im ländlichen Afrika normalerweise ein sicheres Todesurteil.

Salvina strahlt. Das morgendliche Ritual ist geschafft: Eine leichte Morgenmahlzeit. Der Stich in den Finger zur Blutzuckermessung. Die Insulinspritze in den Oberschenkel. Jetzt packt sie ihre Schulbücher und macht sich in ihrer roten Schuluniform auf den Weg. Schulbus gibt es hier in Malinyi keinen. Und manchmal brennt die Sonne auch schon frühmorgens gleissend heiss auf der Stirn. Etwas vergisst Salvina nie: den kleinen Notvorrat an Traubenzucker und ihr Blutzuckermessgerät. Ihre Lebensversicherung für unterwegs, falls der Blutzuckerspiegel unerwartet und plötzlich abfällt.

Salvina Kilunda ist heute 25 Jahre alt. An den meisten Orten in Afrika südlich der Sahara wäre sie bereits tot. In ihrer Pubertät traten immer stärkere Schmer- zen in den Beinen auf. Darmbeschwerden häuften sich. Sie verlor an Gewicht. Als sie schliesslich das Spital in Lugala aufsuchte, war sie nur noch Haut und Knochen. Die Diagnose: ein Typ-1-Diabetes. Salvina bildete kein körpereigenes Insulin, ihr Zucker-Stoffwechsel war gestört und damit ihr Leben ernsthaft gefährdet.

«Die meisten Betroffenen können sich eine Insulintherapie und regelmässige Untersuche nicht leisten.»

Emmanuel Chogo, Medizinischer Leiter Lugala Spital

Self-made Kühlbox ermöglicht Überleben

Die fehlende Kühlung zu Hause war auch für Salvina eine grosse Herausforderung. Glücklicherweise kam der junge, von SolidarMed geförderte Arzt Bethod Mballa gerade von einer dreimonatigen Ausbildung in Dar es Salaam zurück. Er brachte von dort eine fotokopierte Anleitung zum Bau einer kleinen Kühleinheit mit. Sie basiert auf dem physikalischen Prinzip der Verdunstungskälte, das viele Gemeinschaften Afrikas traditionellerweise zur Kühlung von Flüssigkeiten in Tontöpfen nutzen. Durch die poröse Natur des Tons verdampft bei starker Hitze Flüssigkeit und entzieht dem Inhalt dadurch Wärme. Dadurch können Flüssigkeiten um bis zu 15° C gegenüber der Aussentemperatur abgekühlt werden.

Der Vater von Salvina, Abel Kilunda, baute eine Kühlbox nach diesem Prinzip. In einen Plastikkübel packte er ein kleines Gefäss aus Metall zur Lagerung des Insulins. Das restliche Volumen füllte er mit poröser Holzkohle aus. Wenn nun die Holzkohle regelmässig mit Wasser befeuchtet wird, verdunstet das Wasser und entzieht dem Innenraum des Kübels Wärme. Damit werden zwar keine perfekten Lagerungsbedingungen erreicht, aber das Insulin kann so über mehrere Tage bei etwa 20° C gelagert werden. Abel Kilunda hat die Kühlbox auch bereits für zwei weitere jugendliche zuckerkranke Patient/innen im Distrikt Malinyi konstruiert. Auch sie können mit ihrer Krankheit nun ein normaleres Leben führen.